Überlebenskünstler
Architekt Dieter Schweinlin (48) wartet auf
bessere politische Zeiten für Bauherren.

Dieter Schweinlin, Architekt

Überlebenskünstler

Text: Christoph Lemmer

Dieter Schweinlin leitet ein Architektur-büro. Die Firma ist gesund, denn sie passt sich dem Berliner Markt an.

Zu den Etablierten wollte Schweinlin nie gehören. 1985 wettete er mit einer Kommilitonin, die Mauer werde noch vor dem Jahr 2000 fallen. Er fand, als Zugezogener aus Baden und „darum mit einer distanzierten Sichtweise“, ein solches Bauwerk sei gänzlich unnatürlich und darum ohne Zukunft. 1989 hatte er einen Kasten Sekt gewonnen. Bei einem der etablierten Welt-Berliner Architektenbüros wollte er aber nicht arbeiten. Also heuerte er beim Offenbacher Großbüro Novotny Mähner Assoziierte an, zuerst als Projektleiter, seit 1999 als Chef der Berliner Niederlassung. Er baute das frühere FDGB-Gebäude zur heutigen chinesischen Botschaft um, errichtete das OpernCarrée, die repräsentative Niederlassung der Deutschen Bank Unter den Linden oder das Stilwerk an der Kantstraße. Das war in den Jahren der Wende. Es herrschte Aufbruchstimmung, und Senatsbaudirektor war Hans Stimman, über den Schweinlin sagt: „Man mag über ihn geteilter Meinung sein, aber er hat etwas bewegt.“ So jemand fehle heute im Senat. „Im Moment werden viele Projekte gecancelt“, stellt er fest. Am Osthafen gewann er einen Wettbewerb, aber das Projekt liegt auf Eis. Die Friedrichstraße nennt er als Symbol dafür, wie schnell dem politischen Berlin nach dem Wiedervereinigungs-Boom die Puste ausging: Im alten Osten glänzend und neu ausgebaut, im Kreuzberger Südteil dagegen schmuddelig und matt, unverändert seit den 80-er Jahren. „Wir hoffen, dass sich das politische Umfeld irgendwann wieder bessert.“ Bis dahin nutzt er die Zeit, um sein Hobby, die Musik, zu einem zweiten Standbein auszubauen. Gerade gründete er sein eigenes Pop-Label „Berlin Architecture“.