Members only
Eine dicke Zigarre im Mund, gemütlich im Lehnsessel in der Bibliothek, ein Glas Bourbon neben sich und in Männergespräche vertieft. Dieses Bild haben wohl viele vor Augen, wenn sie an private Clubs denken – früher ausschließlich wohlhabenden Herren der Oberschicht vorbehalten. In den letzten Jahren durften zwar nach wie vor nur Mitglieder rein, ansonsten hat sich aber einiges verändert an der Club-Kultur. Martina Reckermann stellt die wichtigsten Berliner Institutionen vor.
Das jüngste Mitglied im Reigen der exklusiven Hauptstadt-Clubs ist das SOHO House im alten Gebäude der ehemaligen SED-Zentrale an der Torstraße in Mitte. Nach Filialen in New York, London und Los Angeles gründete Nick Jones den Privatclub in der deutschen Hauptstadt, als einen Ort für Kreative. Besonders Frauen und Männer in Jeans und T-Shirt sind willkommen, mit einer Krawatte kommt man nicht rein. Politiker findet man hier auch nicht. Offensichtlich ein Konzept, das ankommt, denn der Club für Künstler, Medienmacher und Prominenz hat sich in den vergangenen anderthalb Jahren etabliert und kann rund 2.500 Mitglieder und eine lange Warteliste vorweisen. Wer aufgenommen werden möchte, muss sich bewerben, am besten mit zwei Empfehlungen. Eine beeindruckende 40-köpfige Kommission entscheidet dann. Für 1.200,- Euro können Mitglieder alle Einrichtungen des Clubs wie den privaten Kinosaal, das Fitnessstudio, Kinderbetreuung, das Restaurant, das Hotel und die Terrasse mit Pool nutzen. Natürlich gilt das auch für die anderen Clubfilialen. Generell gibt man sich hier „weltoffen“: die Getränke werden in Englisch geordert und in den Räumen sind häufig internationale Künstler zu Gast oder geben Partys mit viel Prominenz wie z. B. anlässlich der Berlinale oder der Fashion Week. Ein besonders rauschendes Fest feierte das SOHO House an seinem ersten Geburtstag Ende April mit Zuckerwatte, Papphütchen und Nuckelflaschen mit hochprozentigem Inhalt.
Kunst über den Dächern Berlins
Derlei Veranstaltungen würde es im China Club nie geben. Im Adlon-Palais an der Behrenstraße bevorzugt man eine gediegene Atmosphäre. Gegründet im April 2003, versteht sich der exklusive Club eher als ruhigen Zufluchtsort und zum Pflegen des gesellschaftlichen Miteinanders. Man spricht hier über Privates, nicht über das Geschäft. Mit seinen erlesenen Antiquitäten aus dem Reich der Mitte, den kostbaren Teppichen und der beeindruckenden Gemäldegalerie will der Club eher ein exquisites Wohnzimmer sein, das von den Mitgliedern oft für private Feiern genutzt wird. „Der wesentliche Unterschied zwischen uns und den anderen Privatclubs in der Hauptstadt ist, dass wir kein Business-, sondern ein „Socialclub“ sind. Bei uns kann man seinen Geburtstag feiern oder mit den Kindern zum Frühstück kommen. Headhunter sind nicht zu finden, sondern Privatleute, meistens aus dem Kultur-, Kunst-, Wirtschafts- oder Medienbereich, die sich in behaglicher Atmosphäre treffen möchten“, erzählt Pressesprecherin Angela Contzen. Um dieses besondere Ambiente zu schaffen, wurden keine Kosten und Mühen gescheut. Küchenchef Tam wurde z. B. extra aus China angeworben und verwöhnt nicht nur mit erlesenen Speisen. Er hat sogar die Lizenz zum Töten. Als einziger Koch in Deutschland darf der Chinese noch lebenden Fisch verwenden. Den darf allerdings nur eine stark begrenzte Mitgliederzahl von 750 genießen. Die Club-Gründer, das Ehepaar Jagdfeld, möchte sowohl die Harmonie als auch die Exklusivität nicht zerstören. „Wir wählen unsere Mitglieder dahingehend aus, ob sie zu uns und den anderen Mitgliedern passen. Denn die richtige Mischung macht es so harmonisch. Deshalb sollen es auch nicht sehr viel mehr werden, als es jetzt schon sind“, ergänzt die China-Club- Pressesprecherin. Der Jahresbeitrag beträgt rund 2.500,- Euro und eine einmalige Aufnahmegebühr von 10.000,- Euro, für Firmen 15.000,-
Globale Vernetzung
Vergleichsweise dazu sind die Aufnahmegebühren von 4.200,- bzw. 6.450,- Euro für ein Unternehmen und der Jahresbeitrag in Höhe von 1.375,- Euro im Berlin Capital Club ein Schnäppchen. Wenn man denn reinkommt. Bewerben kann man sich hier nicht, man muss von einem anderen Mitglied empfohlen werden. Eine andere Möglichkeit: man „erbt“ sozusagen eine Mitgliedschaft wie z. B die BVG-Chefin Dr. Sigrid Nikura. Anders als in den anderen erwähnten Hauptstadt-Privat-Clubs ist in diesem Businessclub über den Dächern Berlins am Gendarmenmarkt das „Geschäfte- machen“ ausdrücklich erwünscht und wird seitens des Clubs besonders gefördert. Im eleganten Ambiente werden den Mitgliedern exzellente Geschäftskontakte geboten. Wer für Geschäftspartner Konferenzen oder Meetings veranstalten möchte, kann im Berlin Capital Club sowohl die Räumlichkeiten wie diverse Lounges und das Restaurant nutzen sowie den Club die Organisation übernehmen lassen. Zum Advisory Board gehören u. a. Club-Präsident Heinz Dürr, Walter Müller, Markus Voigt und Jörg Woltmann. Den hauptsächlichen Unterschied zwischen dem Berlin Capital Club und den anderen Privatclubs sieht Regionaldirektor Manfred Gugerel in der internationalen Anbindung. „Durch das IAC (International Associate Clubs) Netzwerk bieten wir unseren Mitgliedern den Zugang zu weltweit fast 250 Business-, Golf-, und Countryclubs. Der Berlin Capital Club hat sich in den vergangenen zehn Jahren als Treffpunkt führender Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Politik etabliert. Er ist einer der wenigen Orte, an dem die Business-Netzwerke der Hauptstadt zusammenfließen.“ Außerdem bietet das mitgliederinterne Verzeichnis auf der Website die Möglichkeit, sein Unternehmen und sich selbst zu präsentieren sowie untereinander Kontakt aufzunehmen. Vorteile, die auch für Andreas Boehlke, Chef von Boehlke Lichtdesign und Veranstalter des „Festival of Lights“ klar für diesen Club sprechen. „Der Berlin Capital Club ist eine der renommiertesten Netzwerk-Adressen der Hauptstadt mit einem wunderbaren Ausblick auf einen der schönsten Plätze Berlins. Er bietet exzellente regionale, bundesweite und internationale Geschäftskontakte. Man trifft hier Geschäftsleute unterschiedlichster Branchen zum privaten und geschäftlichen Austausch. Es gibt eine Vielzahl von Einladungen zu exklusiven Veranstaltungen und ein umfangreiches Kulturprogramm. Für mich bietet der Club einen idealen Boden, um mich mit meinen Freunden, Kunden und Geschäftspartnern in einer gepflegten Atmosphäre zu treffen und neue Kontakte zu knüpfen. Sowohl für Präsentationen im großen Rahmen als auch Empfänge in kleiner Runde ist er ein Ort zum Wohlfühlen“, schwärmt der Geschäftsmann. Auch Nils Busch-Petersen, Vorsitzender des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, hat sich ganz bewusst den Berlin Capital Club ausgesucht. „Man kann sich hier bestens zentral und doch zurückgezogen in guter Atmosphäre treffen. Tolles Team, umfangreiches Netzwerk zum Knüpfen von Kontakten. Außerdem habe ich dadurch überall auf der Welt in allen Partnerclubs ein Wohnzimmer“, lächelt Busch-Petersen. In Berlin nutzen das „Wohnzimmer“ rund 1.500 Mitglieder, die vor Kurzem das 10-jährige Jubiläum feierten.
Alter Offiziersclub
Wesentlich älter und eher eine Art Country Club ist der ehemalige Offiziersclub in der Thüringer Allee am Theodor-Heuss-Platz – der einzige in der Privatclub-Riege im Westteil der Stadt. Der International Club Berlin bietet mehr Freizeitbeschäftigung als Vernetzung. Die Tennisplätze und der Pool werden von den Familien der Mitglieder genutzt. Geplaudert wird eher über Privates, nicht selten entstehen dabei auch Geschäftsbeziehungen. Akquise ist hier allerdings unerwünscht.
Ausgabe April 2012 /
Juni 2012
- ,,Wir müssen uns viel mehr trauen!“
- 20 Jahre nachhaltiger Genuss
- 25 Hektar Raum und 10 Jahre Erfahrung
- Alle werden gleich
- Arbeitnehmerflucht in der Finanzkrise
- Berlins wirtschaftliche Dynamik entfalten!
- Christoph Nuppenau
- Der Zwei-Meter-Mann steht wieder am eigenen Herd
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- Die Pilz-Detektive vom Campus Buch
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- Fourlife Consulting sucht bundesweit neue Partner
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